| Faszination Schaltrad |
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Schalträder der Kaliber Valjoux VZ (1950) Excelsior Park 4 (1945) |
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Anfänglich, also etwa ab 1910, wurden für Armbanduhren ausschließlich Chronographenwerke mit Schaltradmechanismus produziert. Die zentrale Einheit der Chronographenkadratur, d.h. dem eigentlichen Chronographenwerk, bildet das sogenannte "Schaltrad" oder "Säulenrad". Es ist ein drehbar gelagertes Rad welches mit (je nach Hersteller) fünf bis neuen achsenparallelen, tortenstückähnlichen Säulen versehen ist. An der Basis weist das Säulenrad ein Sperrad mit dreieckigen Zähnen auf. Bei Betätigung der Chronographendrücker wird das Säulenrad über einen Schalthebelhacken und das Sperrad um einen Zahn weitergedreht und fixiert. Verschiedene Hebel fallen nun entweder in die Zwischenräume der Säulen oder werden daraus herausgedrückt. Diese Hebel bewerkstelligen die mechanische Ausführung der Kadraturfunktionen, also Starten, Anhalten und Rückstellen der Chronographenzeiger. Das Schaltrad steuert also das Spiel der Hebel und foglich der Zeiger. Nun ist das Schaltrad aufgrund seiner dreidimensional komplexen Form in der Produktion sehr kostenintensiv. Es erforderte einen hohen händisch durchzuführenden Fertigungsaufwand. Gegen Ende der 30er Jahre wurden in Bezug auf die Herstellungskosten günstigere Methoden zur Steuerung der Chronographenfunktionen entwickelt. 1939 lancierte Landeron die Kaliber 47 und 48 mit einer sogenannten "Kulissenschaltung". Ein einfach herzustellender und vergleichsweise unästhetischer Herzhebelbegrenzer übernimmt im wesentlichen die Funktionen des Schaltrads. Wenig später lanciert die Venus S.A. ihre ersten Chronographenkaliber ohne Schaltrad. Seitdem findet die Kulissenschaltung zunehmend Verbreitung. Die tatsächlichen Vorteile, die der Einsatz eines Schaltrades mit sich bringt, sind verglichen mit dem kostengünstigen System der Kulissenschaltung relativ gering. Die Chronographenfunktionen, also Start, Anhalten und Rückstellen laufen mit einem Schaltrad geringfügig präziser ab, und es ist ein gleichbleibender Widerstand der Druckknöpfe bei der Betätigung gewährleistet. (bei der Kulissenschaltung schwankt der Wiederstand bei den einzelnen Funktionen). Trotzdem werden Schaltradkaliber noch bis in die späten 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts hergestellt. Bis dahin stand die Schweizer Uhrenindustrie unter einen vergleichsweise geringem Konkurrenzdruck. Man "leistete" es sich, den technisch präzisesten und aufwendigsten Mechanismus auch in hohen Stückzahlen zu produzieren und einzusetzen. So lancierte die Valjoux S.A. ihr erstes Chronographenkaliber 7730 mit Kulissenschaltung erst 1967 (!). Verglichen mit dem wirtschaftlichen Druck, der die heutige Produktion insgesamt bestimmt, ist dieser Umstand mehr als bemerkenswert. Das Schaltradkaliber markiert daher eine eigene Epoche der Technikgeschichte, die freilich längst überholt ist. Darin und in der Ästhetik der technischen Lösung liegt die Faszination des Schaltradkalibers. Diese Internetseite bietet einen Überblick über historische Schaltradkaliber, welche von ca. 1910 bis zum Ende der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts in der Schweiz und in Deutschland produziert wurden. Die Auflistung der Produkte des technisch aufwendigsten Verfahren zur Verwirklichung eines Chronographenmechanismus versteht sich als mosaikhafter Beitrag zur Dokumentation der Technikgeschichte. |