Geschichte  Armbandchronograph


Die Beherrschung des Meeres
erfordert die der Zeit.

Paul Virilio

Es war in den 80er Jahren des 19ten Jahrhunderts. Die Kanoniere der deutschen kaiserlichen Marine geben Ihren Unmut zu Protokoll, wonach der Einsatz von Taschenuhren bei der ballistischen Beobachtung sehr unpraktisch wäre. Besonders bei kalten Witterungsbedingungen sei das wiederholte Herausnehmen und Einstecken der Taschenuhren störend. Kaiser Wilhelm I bittet daraufhin eine Delegation von Uhrenfabrikanten nach Berlin, um Lösungsvorschläge zu unterbreiten. Die schweizer Uhrenmanufaktur Girard-Perregaux liefert wenig später der kaiserlichen Marine 2000 Exemplare von Uhren, die derart an Armbändern befestigt sind, daß sie um das Handgelenk getragen werden können. Die Armbanduhr ist geboren.

Die Durchsetzung der Armbanduhr im zivilen Bereich dauert noch lange bis in das 20te Jahrhundert hinein. Jedoch wurde vor allem seitens der Militärs, aber auch von Technikern, Wissenschaftlern von Sportbegeisterten bald der Wunsch nach einem Armbandchronographen laut. Ein Chronograph ist eine normale Uhr, die kontinuierlich die Uhrzeit anzeigt, aber darüber hinaus über einen zusätzlichen Mechanismus verfügt, der die Messung von Zeitintervallen ermöglicht. Die Zeitintervalle, d.h. die Chronographenzeit, wird zwar von dem normalen Uhrwerk gesteuert, ist aber in Ihrer Anzeige vollkommen unabhängig. Die Chronographenzeit kann also beliebig gestartet, angehalten oder auf Null zurückgestellt werden. Dazu wird meist ein, zusätzlicher (zweiter) Sekundenzeiger aus der Mitte eingesetzt, gegebenenfalls kombiniert mit weiteren Minuten- und Stunden-Zählzeigern.

Die technische Umsetzung eines derartigen Chronographenuhrwerks, damals freilich noch als Taschenuhr realisiert, gehen auf zahlreiche Patente des in England niedergelassenen schweizer Uhrmacher Adolph Nicole zurück. 1844 wurde seine herzförmige Scheibe patentiert, die das Nullstellen der Chronographenzeiger ermöglicht. Sie wird heute noch in nahezu jeden Chronographenmechanismus eingesetzt. Nach einigen Verbesserungen konnte Nicole 1862 seinen ersten Taschenuhr-Chronographen vorstellen. Die ersten Armbandchronograpen erschienen kurz nach der Wende zum 20ten Jahrhundert. Eigenständige, d.h. entsprechend adaptierte und verkleinerte Chronographenwerke für Armbanduhren wurden etwa ab 1910 in der Schweiz produziert.

Die Entwicklung und Produktion dieser Werke sind ein besonders gutes Beispiel für die "Aufgabenverteilung" in der schweizer Uhrenindustrie. So wurden die Chronographenwerke zum überwiegenden Teil von spezialisierten Rohwerkherstellern erzeugt, und gelangten als "Ebauches" in den Handel. Als reine Fachwerkstätten und Zulieferer waren und sind die Ebauchesfabrikanten kaum öffentlich bekannt. Die Einschalung der Werke, d.h. die Fertigstellung zu einer kompletten Uhr sowie auch das Marketing und den Verkauf übernahmen die sogen. "Etablisseure" oder Termineure. Für Chrongraphenwerke sind die wichtigen Ebauchehersteller Landeron, Valjoux und Venus zu erwähnen. Bekannte Etablisseure, die sich u.a. auch der Rohwerke der o.a. Hersteller bedienten, sind Breitling, Heuer, Rolex u.v.a.. Daneben gibt es einige wenige Uhrenhersteller, die Ihre eigenen Chronographenwerke entwickelten und produzierten. Dazu zählen u.a. Angelus, Excelsior Park, Minerva und Zenith. Der Ausdruck "Kaliber" ist die möglichst eindeutig klassifizierte Bezeichnung eines bestimmten in Serie produzierten Uhrenwerktyps eines Herstellers.

Um das mechanische Problem der Realisierung eines Chronographenwerkes zu lösen, sind im Laufe der Zeit verschiedene Methoden entwickelt worden. Die technisch aufwendigste Methode ist dabei der faszinierende "Schaltrad-" Mechanismus.